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03.03.2026

Welt-Adipositas-Tag: Prävention strukturell stärken – Kinder wirksam schützen

„Adipositas ist eine der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken unserer Zeit. In Deutschland lebt rund ein Viertel der Erwachsenen mit Adipositas, etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder adipös – mit steigender Tendenz. Damit steigt zugleich das Risiko für Typ 2 Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und andere chronische Folgeerkrankungen erheblich.

Diese Entwicklung ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck struktureller Rahmenbedingungen. Ein Umfeld, das hochverarbeitete, stark zuckerhaltige Produkte günstig und omnipräsent macht, während gesunde Alternativen weniger zugänglich sind, produziert gesundheitliche Ungleichheit.

Wer Prävention ernst nimmt, darf sich nicht auf Appelle zur Eigenverantwortung beschränken. Notwendig sind verhältnispräventive Maßnahmen, die gesundheitsförderliche Entscheidungen erleichtern und gesundheitsschädliche Anreize reduzieren – insbesondere zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Die öffentliche Anhörung zur Kindergesundheit hat die Evidenz erneut bestätigt: Ein hoher Konsum stark zuckerhaltiger Getränke ist ein wesentlicher Treiber von Übergewicht, Adipositas und metabolischen Folgeerkrankungen.

Das Vereinigte Königreich hat 2018 mit der Soft Drinks Industry Levy einen klar strukturierten, am Zuckergehalt orientierten Ansatz eingeführt. Hersteller zahlen eine gestaffelte Abgabe bei mehr als fünf bzw. acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter.

Das Ergebnis ist wissenschaftlich gut dokumentiert: Viele Hersteller haben ihre Rezepturen umfassend reformuliert und den Zuckergehalt ihrer Erfrischungsgetränke deutlich gesenkt. Dadurch ist die durchschnittliche Zuckeraufnahme über Softdrinks – insbesondere bei Kindern – spürbar zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Produktvielfalt am Markt erhalten geblieben, während sich die Nährwertqualität der angebotenen Getränke insgesamt verbessert hat.

Dieses Modell wirkt nicht über Verbote, sondern über ökonomische Anreize zur Reformulierung – ein klassisches Instrument moderner Verhältnisprävention.

Eine an dieses Modell angelehnte, differenziert ausgestaltete Abgabe könnte auch in Deutschland einen substantiellen Beitrag zur Senkung ernährungsbedingter Krankheitslast leisten. Sie würde Prävention systematisch verankern, Kinder besser schützen und langfristig erhebliche Folgekosten im Gesundheitswesen vermeiden.

Ich begrüße ausdrücklich, dass auch innerhalb der Union Stimmen diese Evidenz anerkennen. Prävention darf keine parteipolitische Frage sein.

Wer die Gesundheit der nächsten Generation stärken will, muss bereit sein, strukturelle Maßnahmen umzusetzen. Evidenz liegt vor – jetzt braucht es politischen Gestaltungswillen.“